{"id":3582,"date":"2009-11-23T17:51:00","date_gmt":"2009-11-23T16:51:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lsvd-lsa.de\/?p=3582"},"modified":"2025-02-11T20:43:53","modified_gmt":"2025-02-11T19:43:53","slug":"hsoum-ling-li","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lsvd-lsa.de\/en\/hsoum-ling-li\/","title":{"rendered":"Stolperstein: Hsoum Ling-Li"},"content":{"rendered":"<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Geboren: 7. M\u00e4rz 1904, Kanton (China)<\/li>\n\n\n\n<li>Stand: ledig<\/li>\n\n\n\n<li>Beruf: Arbeiter<\/li>\n\n\n\n<li>Tod: ermordet am 17. Juli 1942, KZ Sachsenhausen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Verlegung am 23.11.2009<\/li>\n\n\n\n<li>Gespendet: LSVD Sachsen-Anhalt<\/li>\n\n\n\n<li>Verlegeort: Kru\u0308gerbru\u0308cke 6 (Ecke Himmelreichstra\u00dfe)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Was wissen wir von ihm?<\/h4>\n\n\n\n<p>Was Hsoum Ling-Li, einen chinesisch-deutschen Arbeiter, w\u00e4hrend der Kriegsjahre nach Deutschland und insbesondere nach Magdeburg f\u00fchrte, ist nicht bekannt. 1940 lebte er in der Pr\u00e4latenstra\u00dfe 16 in der Altstadt von Magdeburg. Diese Stra\u00dfe, die seit 1975 Max-Josef-Metzger-Stra\u00dfe hei\u00dft und 2005 teilweise r\u00fcckbenannt wurde, befand sich an der Stelle, wo heute die Kr\u00fcgerbr\u00fccke in die Himmelreichstra\u00dfe m\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Adresse ist auf seiner Gefangenenkarte verzeichnet, auf der Hsoum Ling-Li wie folgt beschrieben wird: 1,61 m gro\u00df, untersetzt, mit vollem Gesicht, braunen Augen und einer Stupsnase. Er hatte eine Narbe an der Wange, schwarzes Haar und eine freie Stirn, war rasiert und ledig sowie kinderlos. Laut der Karte sprach er sowohl Chinesisch als auch Deutsch. Zu seiner Religion gibt es widerspr\u00fcchliche Angaben: Mal wurde er als religionslos, mal als evangelisch bezeichnet. Verwandte gab es laut seinen eigenen Angaben keine.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die ersten Verhaftungen und die Spur nach Berlin<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Ende Juni 1940 wurde Hsoum Ling-Li von der Polizei wegen eines \u201eSittlichkeitsverbrechens\u201c in das Untersuchungsgef\u00e4ngnis Magdeburg eingeliefert. Ende August desselben Jahres wurde er nach Berlin transportiert, um an einem Termin vor dem Landgericht Berlin teilzunehmen. Ob er dort als Zeuge oder Angeklagter geladen war, ist unklar. Nach einem Aufenthalt im Gef\u00e4ngnis Berlin-Moabit kehrte er Mitte Oktober nach Magdeburg zur\u00fcck, doch bereits Ende des Monats wurde er erneut nach Berlin \u00fcberstellt und diesmal in Untersuchungshaft genommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist anzunehmen, dass er in Berlin verurteilt wurde, m\u00f6glicherweise sogar zweimal. Ein durchgestrichener Vermerk auf seiner Gefangenenkarte deutet auf eine Haftstrafe von einem Jahr hin, w\u00e4hrend andere Hinweise vermuten lassen, dass er etwa zwei Jahre im Zuchthaus verbrachte. Anfang Mai 1942 wurde Hsoum Ling-Li aus dem Zuchthaus Brandenburg-G\u00f6rden entlassen. Ein zun\u00e4chst eingetragener Vermerk \u201eAusweisung\u201c wurde sp\u00e4ter gestrichen. Vermutlich wurde er direkt der Gestapo \u00fcbergeben, anstatt in die Freiheit entlassen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Deportation in das KZ Sachsenhausen und Ermordung<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Im Juni 1942 wurde Hsoum Ling-Li als \u201eBerufsverbrecher\u201c in das KZ Sachsenhausen deportiert. Er erhielt die H\u00e4ftlingsnummer 43.263 und wurde als Homosexueller mit einem Rosa Winkel gekennzeichnet (\u00a7 175). Kurz darauf wurde er zusammen mit fast allen anderen schwulen H\u00e4ftlingen in das Au\u00dfenkommando Klinkerwerk \u00fcberstellt \u2013 eine \u201eMordfabrik\u201c des KZ Sachsenhausen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Klinkerwerk, ein Gro\u00dfziegelwerk mit eigenem Hafen, war f\u00fcr die Produktion von Baumaterialien f\u00fcr Albert Speers geplante Gro\u00dfbauprojekte in Berlin gedacht. Zwischen Juli und September 1942 ermordete die SS in einer gezielten Aktion fast alle Rosa-Winkel-H\u00e4ftlinge im Klinkerwerk \u2013 etwa 180 bis 200 M\u00e4nner.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 17. Juli 1942 wurde Hsoum Ling-Li zusammen mit acht weiteren homosexuellen H\u00e4ftlingen ermordet. Sein Schicksal teilte auch Kurt K\u00f6pp, ein weiterer Homosexueller aus Magdeburg, der vermutlich schon eine Woche zuvor hingerichtet wurde. Es ist denkbar, dass die beiden sich bereits aus Magdeburg kannten.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die offizielle Todesursache<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Im Sterbebuch Oranienburg ist als Todesursache f\u00fcr Hsoum Ling-Li ein \u201eSchulterblattschuss mit Durchtrennung des Herzens bei Fluchtversuch\u201c angegeben. Es handelt sich dabei um eine typische Formulierung der SS, die h\u00e4ufig als Begr\u00fcndung f\u00fcr gezielte Morde in den Akten genutzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Hsoum Ling-Li war erst 38 Jahre alt, als er unter diesen grausamen Umst\u00e4nden ermordet wurde. Sein Leben endete, wie das so vieler Opfer des NS-Regimes, durch ein System von Gewalt, Verfolgung und gezielten Mordaktionen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Recherche: <\/strong>Rainer Hoffschildt, Hannover (Juli 2009)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was wissen wir von ihm? 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