{"id":3589,"date":"2010-11-11T18:03:00","date_gmt":"2010-11-11T17:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lsvd-lsa.de\/?p=3589"},"modified":"2025-02-11T20:43:48","modified_gmt":"2025-02-11T19:43:48","slug":"stolperstein-paul-klotz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lsvd-lsa.de\/en\/stolperstein-paul-klotz\/","title":{"rendered":"Stolperstein: Paul Klotz"},"content":{"rendered":"<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Geboren: 21. November 1897, Magdeburg<\/li>\n\n\n\n<li>Beruf: Schosser<\/li>\n\n\n\n<li>Tod: hingerichtet am 27. November 1944, Zuchthaus Halle<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Verlegung am 11.11.2010<\/li>\n\n\n\n<li>Gespendet: Stadtverband DIE LINKE Magdeburg<\/li>\n\n\n\n<li>Verlegeort: Gro\u00dfe Steinernetischstra\u00dfe (Ecke Breiter Weg 38 \/ Ecke Gr. Steinernetischstr. 4, neben Zweirad Schulz)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Was wissen wir von ihm?<\/h4>\n\n\n\n<p>Vom Werdegang und den Lebensverh\u00e4ltnissen des aus Magdeburg-Fermersleben stammenden Paul Klotz wissen wir nur wenig. Seine Eltern hie\u00dfen Oswald Klotz und Klara, geborene Knopf, und wohnten in der Mansfelder Stra\u00dfe 8. Sp\u00e4ter zog Paul in die Kleine Steinernetischstra\u00dfe. Er bezeichnete sich selbst als Dissident, also als aus der Kirche ausgetreten, jedoch gottgl\u00e4ubig. Beruflich war er Schlosser\/Einrichter. Paul blieb ledig.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut einer polizeilichen Personenbeschreibung war er 1,69 m gro\u00df, hatte braune Augen, dunkles Haar, eine schlanke Gestalt und T\u00e4towierungen auf beiden Unterarmen. Da wir ausschlie\u00dflich aus Polizeiakten etwas \u00fcber ihn wissen, erscheint sein Leben ab seinem 35. Lebensjahr als eine Abfolge von Verhaftungen, Verurteilungen und Gef\u00e4ngnisaufenthalten.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Erste Verhaftungen<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Wann und aus welchen Gr\u00fcnden Paul Klotz erstmalig straff\u00e4llig wurde, ist nicht bekannt. Doch unmittelbar nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten geriet er wegen seiner Homosexualit\u00e4t ins Visier der Polizei. Am 27. September 1933 wurde er wegen des Vorwurfs der \u201eVornahme unz\u00fcchtiger Handlungen\u201c in Polizeihaft genommen. Obwohl es offenbar nicht zu einer Anklage kam \u2013 er wurde bereits am 28. September entlassen \u2013 und auch nach einer erneuten Verhaftung am 3. Mai 1935 bereits am 9. Mai 1935 freikam, blieb er weiterhin unter Beobachtung. Am 2. Juli 1935 wurde er wegen Beleidigung, vermutlich im Zusammenhang mit seiner Homosexualit\u00e4t, zu drei Monaten Gef\u00e4ngnis verurteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 22. November 1935 trat er die Strafe an und wurde am 23. Dezember 1935 in das Gerichtsgef\u00e4ngnis Halberstadt \u00fcberstellt, von wo aus er wohl einem Arbeitskommando in Oschersleben zugewiesen wurde. Nach seiner Haftentlassung wohnte er in der Kleinen Steinernetischstra\u00dfe 16. Doch nur knapp ein Jahr sp\u00e4ter, am 23. Januar 1937, wurde er erneut verhaftet, diesmal wegen eines Vergehens gegen das Heimt\u00fcckegesetz, das gegen regimekritische \u00c4u\u00dferungen eingesetzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Strafe wegen Regimekritik und erneute Verfolgung<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Am 14. Mai 1937 verurteilte das Amtsgericht Magdeburg Paul Klotz zu 1 Jahr und 3 Monaten Gef\u00e4ngnis, die er im Gef\u00e4ngnis Sch\u00f6nebeck verb\u00fc\u00dfte. Nach seiner mutma\u00dflichen Entlassung im Mai 1938 wurde er bereits am 3. Dezember 1938 erneut verhaftet, diesmal wegen des Verdachts auf einen Versto\u00df gegen \u00a7175. Das Urteil \u2013 1 Jahr und 2 Monate Gef\u00e4ngnis, wobei ein Monat durch Untersuchungshaft als verb\u00fc\u00dft galt \u2013 wurde am 13. Januar 1939 gesprochen. Nach seiner Entlassung im Februar 1940 hatte er offenbar keinen festen Wohnsitz mehr.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wohnungslosigkeit und letzte Verurteilung<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>M\u00f6glicherweise f\u00fchrte die H\u00e4ufung seiner Gef\u00e4ngnisaufenthalte dazu, dass ihm seine Wohnung gek\u00fcndigt wurde. Dennoch fand er in der Kleinen Steinernetischstra\u00dfe 22 wieder eine Unterkunft. Vier Jahre vergingen, bis Paul Klotz am 14. April 1944 erneut wegen eines Versto\u00dfes gegen \u00a7175 verhaftet wurde. Dieses Mal eskalierte die Verfolgung: Am 3. August 1944 verurteilte ihn die Jugendschutzkammer des Landgerichts Magdeburg als \u201egef\u00e4hrlichen Gewohnheitsverbrecher\u201c zum Tode.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Revision wurde am 16. Oktober 1944 durch das Reichsgericht abgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hinrichtung und Verm\u00e4chtnis<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Am 27. November 1944 wurde Paul Klotz im Zuchthaus Halle durch den Scharfrichter Roselieb enthauptet. Die Vollstreckungsniederschrift f\u00fchrte an, dass er \u201eals gef\u00e4hrlicher Gewohnheitsverbrecher mit Jugendlichen gleichgeschlechtlichen Verkehr ausge\u00fcbt\u201c habe. Seine Leiche wurde zum Gertraudenfriedhof in Halle gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Urne wurde am 30. Juli 1945 beigesetzt und sp\u00e4ter in die Abteilung \u201eOpfer des Faschismus\u201c umgebettet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Recherche:<\/strong> Rainer Hoffschildt, Hannover (2010)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was wissen wir von ihm? Vom Werdegang und den Lebensverh\u00e4ltnissen des aus Magdeburg-Fermersleben stammenden Paul Klotz wissen wir nur wenig. 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