{"id":3593,"date":"2010-11-11T18:09:00","date_gmt":"2010-11-11T17:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lsvd-lsa.de\/?p=3593"},"modified":"2025-02-11T20:43:41","modified_gmt":"2025-02-11T19:43:41","slug":"stolperstein-paul-walther-karl-juhe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lsvd-lsa.de\/en\/stolperstein-paul-walther-karl-juhe\/","title":{"rendered":"Stolperstein: Paul Walther Karl Juhe"},"content":{"rendered":"<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Geboren: 15. November 1897, Magdeburg<\/li>\n\n\n\n<li>Beruf: kaufm\u00e4nnischer Angestellter<\/li>\n\n\n\n<li>Tod: 11. Juni 1940, KZ Sachsenhausen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Verlegung am 11. November 2010<\/li>\n\n\n\n<li>Gespendet: LSVD Sachsen-Anhalt<\/li>\n\n\n\n<li>Verlegeort: Jakobstra\u00dfe (beim NP-Markt)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Was wissen wir von ihm?<\/h4>\n\n\n\n<p>Paul Walther Karl Juhe ist der Sohn des Handelsmanns\u00a0Franz Eduard Otto Juhe\u00a0und seiner Frau\u00a0Bertha Anna, geborene\u00a0Heisinger. Sein Geburtshaus in der\u00a0Blauebeilstra\u00dfe 10\u00a0ist auch sein letzter Wohnsitz; wahrscheinlich hat er immer bei seinen Eltern gewohnt. Jedenfalls blieb er\u00a0ledig\u00a0und war\u00a0evangelisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Paul Juhe erlernte den Beruf eines\u00a0Kaufmanns\u00a0und war als\u00a0kaufm\u00e4nnischer Angestellter\u00a0t\u00e4tig. Laut einer im Zusammenhang mit einer Verhaftung erstellten Personenbeschreibung war er\u00a01,70 m gro\u00df, von\u00a0untersetzter Gestalt, mit einem\u00a0runden, bartlosen Gesicht,\u00a0blaugrauen Augen\u00a0und\u00a0blonden Haaren.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Zeitschrift f\u00fcr lesbische Frauen\u00a0\u201eDie Freundin\u201c\u00a0vom 14. November 1927 hie\u00df es: \u201eDie Damengruppen des Bundes f\u00fcr Menschenrecht nehmen noch neue Mitglieder auf! Einwandfreie Damen wollen sich an folgende Adressen wenden: &#8230; in Magdeburg: Paul Juhe, Blaue Beilstr. 10 \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Paul Juhe war offensichtlich im\u00a0Bund f\u00fcr Menschenrecht\u00a0engagiert, der sich als politische Organisation f\u00fcr die\u00a0Emanzipation Homosexueller\u00a0einsetzte. Mit 29 Jahren war er so emanzipiert und mutig, seinen Namen \u00f6ffentlich als Kontaktanschrift zu nennen und damit zu seiner\u00a0homosexuellen Orientierung\u00a0zu stehen. Ob die genannten\u00a0Damengruppen\u00a0tats\u00e4chlich existierten oder nur von bereits bestehenden M\u00e4nnergruppen erw\u00fcnscht waren, ist nicht bekannt. Zu den 14 Ortsnennungen der Gruppen wagten nur\u00a0f\u00fcnf M\u00e4nner\u00a0einen vollen Namen zu nennen \u2013 Paul Juhe war einer von ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er wohnte auch sp\u00e4ter weiterhin in seinem Geburtshaus unter dieser Anschrift.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Verhaftungen und Haftzeit<\/h5>\n\n\n\n<p>Am\u00a01. M\u00e4rz 1937\u00a0\u00fcberf\u00fchrte die\u00a0Kriminalpolizei Magdeburg\u00a0den 39-J\u00e4hrigen in das\u00a0Gef\u00e4ngnis Magdeburg\u00a0in Untersuchungshaft. Vom\u00a017. M\u00e4rz bis zum 10. April 1937\u00a0war er erneut in\u00a0Polizeihaft, vermutlich f\u00fcr weitere Verh\u00f6re, und danach wieder in Untersuchungshaft. Wahrscheinlich verurteilte ihn im\u00a0Juni 1937\u00a0das\u00a0Landgericht Magdeburg\u00a0nach\u00a0\u00a7 175a\u00a0zu einer etwa\u00a0dreij\u00e4hrigen Zuchthausstrafe, denn am\u00a015. Juli 1937\u00a0wurde er zur Strafverb\u00fc\u00dfung in das\u00a0Zuchthaus Coswig\u00a0transportiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Von dort wurde er zwischen dem\u00a03. Dezember 1937\u00a0und dem\u00a013. Januar 1938\u00a0sowie zwischen dem\u00a015. Juli und dem 18. August 1938\u00a0wieder nach\u00a0Magdeburg\u00a0gebracht und anschlie\u00dfend erneut nach\u00a0Coswig. Vermutlich musste er in diesen Zeitr\u00e4umen als\u00a0Zeuge in anderen Prozessen\u00a0aussagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach verb\u00fc\u00dfter Strafe \u00fcberstellte ihn die Polizei am\u00a08. Juni 1940\u00a0in das\u00a0KZ Sachsenhausen\u00a0bei Berlin. Dort stufte ihn die SS als\u00a0Homosexuellen\u00a0und\u00a0\u201eSchutzh\u00e4ftling\u201c\u00a0ein, unterbrachte ihn in\u00a0Block 35, und er erhielt die\u00a0H\u00e4ftlingsnummer 25.453.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Tod<\/h5>\n\n\n\n<p>Paul Juhe verstarb nur drei Tage sp\u00e4ter, am\u00a011. Juni 1940, im Alter von\u00a042 Jahren. Angeblich habe er etwa um\u00a023:00 Uhr\u00a0den Freitod durch\u00a0Erh\u00e4ngen\u00a0gew\u00e4hlt. \u00dcber seinen Tod wurde in Berlin eine\u00a0Akte zur Todesermittlung\u00a0angelegt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Recherche:<\/strong> Rainer Hoffschildt, Hannover (Oktober 2010)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was wissen wir von ihm? Paul Walther Karl Juhe ist der Sohn des Handelsmanns\u00a0Franz Eduard Otto Juhe\u00a0und seiner Frau\u00a0Bertha Anna, geborene\u00a0Heisinger. Sein Geburtshaus in der\u00a0Blauebeilstra\u00dfe 10\u00a0ist auch sein letzter Wohnsitz; wahrscheinlich hat er immer bei seinen Eltern gewohnt. 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