{"id":3609,"date":"2012-10-09T20:33:00","date_gmt":"2012-10-09T18:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lsvd-lsa.de\/?p=3609"},"modified":"2025-04-09T07:48:17","modified_gmt":"2025-04-09T07:48:17","slug":"stolperstein-fritz-arnold-kruse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lsvd-lsa.de\/en\/stolperstein-fritz-arnold-kruse\/","title":{"rendered":"Stolperstein: Fritz Arnold Kruse"},"content":{"rendered":"<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Geboren: 08. Mai 1890, Altona (heute Hamburg-Altona)<\/li>\n\n\n\n<li>Beruf: Vertreter und Kaufmann<\/li>\n\n\n\n<li>Tod: 09. Juni 1942, KZ Sachsenhausen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Verlegung am 09. Oktober 2012<\/li>\n\n\n\n<li>Gespendet: Dr. Helga Paschke, damalige Landtagsvizepr\u00e4sidentin (DIE LINKE)<\/li>\n\n\n\n<li>Verlegeort: Hohepfortestra\u00dfe 38 (\u00f6stlich der Mensa, vor Wohnheim 4)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Was wissen wir von ihm?<\/h4>\n\n\n\n<p>Fritz Arnold Kruse war evangelischer Konfession und blieb ledig. Er f\u00fchrte ein unstetes Leben als Vertreter, was ihn offenbar h\u00e4ufig auf Reisen f\u00fchrte, sodass er keinen festen Wohnsitz hatte.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Fr\u00fche Jahre und erste Verurteilungen<\/h5>\n\n\n\n<p>Am\u00a06. August 1935\u00a0wurde der damals\u00a045-J\u00e4hrige\u00a0vom\u00a0Amtsgericht Magdeburg\u00a0zu\u00a0sechs Monaten Gef\u00e4ngniswegen Betrugs verurteilt. Am\u00a01. November 1935\u00a0trat er die Haft im\u00a0Gef\u00e4ngnis Magdeburg\u00a0an. Als n\u00e4chste Angeh\u00f6rige gab er seine Mutter,\u00a0Paula Kruse aus Hamburg, an.<\/p>\n\n\n\n<p>Vermutlich wurde Kruse im\u00a0Mai 1937\u00a0aus der Haft entlassen. Im gleichen Jahr verurteilte ihn das\u00a0Amtsgericht Torgau zu einer weiteren, jedoch geringeren Strafe:\u00a0neun Tage Gef\u00e4ngnis, die zur\u00a0Bew\u00e4hrung\u00a0ausgesetzt wurden.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Leben 1939 und erneute Verhaftung<\/h5>\n\n\n\n<p>Im Jahr\u00a01939\u00a0arbeitete Fritz Arnold Kruse als\u00a0Kaufmann\u00a0und wohnte in der\u00a0Hohepfortestra\u00dfe 34\u00a0in Magdeburg. Am\u00a012. Juni 1939\u00a0wurde er erneut von der Polizei in das\u00a0Gef\u00e4ngnis Magdeburg\u00a0eingeliefert. Zu diesem Zeitpunkt wurde eine Personenbeschreibung erstellt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Gr\u00f6\u00dfe<\/strong>: 1,70 m,<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gestalt<\/strong>: kr\u00e4ftig,<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gesicht<\/strong>: oval, bartlos,<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Augen<\/strong>: grau,<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Haare<\/strong>: blond mit freier Stirn,<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Besonderes Kennzeichen<\/strong>: Blinddarmnarbe.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Auf seiner Karteikarte wurden\u00a0vier Vorstrafen\u00a0vermerkt, und er wurde als \u201emoorf\u00e4hig\u201c eingestuft. Als n\u00e4chsten Verwandten gab er nur seinen Vormund,\u00a0Pastor L\u00fcdeke, an, was darauf hinweisen k\u00f6nnte, dass er entm\u00fcndigt worden war.<\/p>\n\n\n\n<p>Im\u00a0Juli 1939\u00a0wurde Kruse kurzzeitig in das\u00a0Gef\u00e4ngnis Elsterwerda\u00a0\u00fcberstellt, m\u00f6glicherweise als Zeuge in einem Verfahren. Schlie\u00dflich verurteilte ihn das\u00a0Amtsgericht Magdeburg\u00a0am\u00a020. November 1939\u00a0nach\u00a0\u00a7 175 StGB\u00a0zu\u00a0zehn Monaten Gef\u00e4ngnis, wobei f\u00fcnf Monate Untersuchungshaft angerechnet wurden. Diese vergleichsweise milde Strafe deutet darauf hin, dass ihm keine Handlungen zur Last gelegt wurden, die heute noch strafbar w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Deportation ins Konzentrationslager<\/h5>\n\n\n\n<p>Kurz vor Ablauf seiner Haft ordnete die\u00a0Kriminalpolizei Magdeburg\u00a0eine\u00a0\u00dcberhaft\u00a0f\u00fcr Kruse an. Am\u00a029. April 1940 wurde er der Kriminalpolizei \u00fcbergeben und kurz darauf am\u00a01. Juni 1940\u00a0ins\u00a0KZ Sachsenhausen\u00a0deportiert. Dort wurde er als \u201eBerufsverbrecher\u201c mit der Nummer\u00a0BV 175 Nr. 25.187\u00a0registriert.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Leiden im Konzentrationslager<\/h5>\n\n\n\n<p>Im KZ Sachsenhausen verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rapide. Bereits am\u00a028. Juni 1940\u00a0musste er erstmals in den Krankenbau eingeliefert werden. Dort blieb er bis zum\u00a027. Februar 1941, bevor er wieder entlassen wurde. Doch seine Krankheit kehrte zur\u00fcck, und er wurde aus\u00a0Block 12\u00a0am\u00a014. Oktober 1941\u00a0erneut in das Krankenrevier gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Am\u00a09. Juni 1942, um\u00a013:30 Uhr, verstarb Fritz Arnold Kruse im\u00a0H\u00e4ftlingsblock 14\u00a0des KZ Sachsenhausen. Als offizielle Todesursache wurde \u201eHerz- und Kreislaufschw\u00e4che infolge rechtsseitiger offener Lungentuberkulose\u201c angegeben. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass er durch die\u00a0extremen Haftbedingungen\u00a0und\u00a0mangelhafte Versorgung zu Tode geschw\u00e4cht wurde.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Tod und Bestattung<\/h5>\n\n\n\n<p>Fritz Arnold Kruse \u00fcberlebte die Haft im KZ Sachsenhausen etwa\u00a0zwei Jahre, was angesichts der Zust\u00e4nde dort eine vergleichsweise lange Zeit war. Er starb im Alter von\u00a052 Jahren. Seine \u00dcberreste wurden auf dem\u00a0Friedhof Hamburg-Ohlsdorf\u00a0beigesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Recherche: <\/strong>Rainer Hoffschildt, Hannover (April 2012)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was wissen wir von ihm? Fritz Arnold Kruse war evangelischer Konfession und blieb ledig. Er f\u00fchrte ein unstetes Leben als Vertreter, was ihn offenbar h\u00e4ufig auf Reisen f\u00fchrte, sodass er keinen festen Wohnsitz hatte. Fr\u00fche Jahre und erste Verurteilungen Am\u00a06. 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