{"id":3649,"date":"2017-09-28T09:49:00","date_gmt":"2017-09-28T07:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lsvd-lsa.de\/?p=3649"},"modified":"2025-02-11T20:42:48","modified_gmt":"2025-02-11T19:42:48","slug":"stolperstein-joseph-fidelius-schnetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lsvd-lsa.de\/en\/stolperstein-joseph-fidelius-schnetz\/","title":{"rendered":"Stolperstein: Joseph Fidelius Schnetz"},"content":{"rendered":"<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Geboren: 28. M\u00e4rz 1901, Bavendorf, W\u00fcrttemberg<br>Stand: ledig<br>Religion: katholisch<\/li>\n\n\n\n<li>Beruf: Lohnbuchhalter<\/li>\n\n\n\n<li>Tod: ermordet am 11. April 1942, KZ Buchenwald<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Verlegung am 28.09.2017<\/li>\n\n\n\n<li>Gespendet: LSVD Sachsen-Anhalt<\/li>\n\n\n\n<li>Verlegeort: Hohepfortestra\u00dfe 6 (N\u00e4he Zugang 4-6)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Was wissen wir von ihm?<\/h4>\n\n\n\n<p>Joseph Schnetz wird lediglich durch Polizei- und Gerichtsakten sichtbar, die ihn als &#8222;Straft\u00e4ter&#8220; wegen seiner Homosexualit\u00e4t f\u00fchren. Sein \u00e4u\u00dferes Erscheinungsbild wird bei einer Gef\u00e4ngniseinlieferung festgehalten:\u00a01,76 m gro\u00df, schlanke Gestalt, gestutzter Bart, blaue Augen und blondes Haar.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Erste Verurteilung und Haft in Magdeburg<\/h5>\n\n\n\n<p>Am\u00a027. Mai 1937\u00a0verurteilt ein Magdeburger Gericht den damals\u00a036-j\u00e4hrigen\u00a0Schnetz wegen Vergehens gegen den\u00a0\u00a7175\u00a0StGB zu\u00a0sieben Monaten Gef\u00e4ngnis. Die Haft verb\u00fc\u00dft er im Gef\u00e4ngnis Magdeburg und wird am\u00a027. Dezember 1937\u00a0entlassen.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Zweite Verurteilung: Sch\u00e4rfere Strafen f\u00fcr einen &#8222;R\u00fcckfallt\u00e4ter&#8220;<\/h5>\n\n\n\n<p>Am\u00a01. September 1938\u00a0folgt eine erneute Verurteilung. Diesmal wird ihm nicht nur \u201ewidernat\u00fcrliche Unzucht\u201c vorgeworfen, sondern auch\u00a0Erpressung\u00a0und ein Vergehen gegen das\u00a0Heimt\u00fcckegesetz. Letzteres deutet darauf hin, dass er kritische oder abf\u00e4llige Bemerkungen \u00fcber das NS-Regime gemacht hatte. Als &#8222;R\u00fcckfallt\u00e4ter&#8220; wird er zu einer drastischen Strafe verurteilt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Drei Jahre Gef\u00e4ngnis<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Drei Jahre Verlust der b\u00fcrgerlichen Ehrenrechte<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Schwerstarbeit in Gefangenenlagern<\/h5>\n\n\n\n<p>Die Strafe beginnt mit\u00a0Schwerstarbeit im Moor\u00a0im Strafgefangenenlager\u00a0Neusustrum\u00a0im Emsland. Am\u00a026. Juli 1940wird er in das Strafgefangenenlager\u00a0Rodgau\u00a0(Lager II, Niederroden, Hessen) \u00fcberf\u00fchrt. Er scheint vor\u00fcbergehend in ein weiteres Gef\u00e4ngnis verlegt worden zu sein, da er in Rodgau zwei Zugangsnummern erh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">\u00dcberf\u00fchrung ins KZ-System<\/h5>\n\n\n\n<p>Nach der Haftentlassung am\u00a01. September 1941\u00a0wird Schnetz nicht freigelassen, sondern auf Anweisung der Polizei Magdeburg am\u00a05. September 1941\u00a0in das Polizeigef\u00e4ngnis Magdeburg \u00fcberstellt. Kurz darauf, am\u00a09. Oktober 1941, erfolgt seine Einlieferung in das\u00a0KZ Buchenwald, wo er die H\u00e4ftlingsnummer\u00a05.205\u00a0erh\u00e4lt und der Gruppe der\u00a0\u00a7175-H\u00e4ftlinge\u00a0zugeordnet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Im\u00a0Steinbruchkommando 53\u00a0wird er zu besonders schwerer Arbeit gezwungen, wie sie fast allen homosexuellen H\u00e4ftlingen im KZ-System auferlegt wurde.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Tod im KZ Buchenwald <\/h5>\n\n\n\n<p>Joseph Schnetz stirbt am\u00a011. April 1942\u00a0im Alter von\u00a041 Jahren\u00a0im KZ Buchenwald. Die offizielle Todesursache lautet\u00a0Erkrankung der Atemwege, doch die tats\u00e4chlichen Gr\u00fcnde sind wohl die\u00a0unmenschlichen Haftbedingungen,\u00a0Zwangsarbeit\u00a0und\u00a0chronische Unterversorgung.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Nachtr\u00e4gliche Rehabilitierung<\/h5>\n\n\n\n<p>Im Jahr\u00a02002\u00a0hob der Deutsche Bundestag pauschal alle NS-Verurteilungen nach dem \u00a7175 in der Fassung von 1935 auf. Joseph Fidelius Schnetz war somit\u00a0jahrelang zu Unrecht inhaftiert, ein Opfer von Verfolgung und Diskriminierung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Recherche: <\/strong>Rainer Hoffschildt, Hannover (August 2017)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was wissen wir von ihm? Joseph Schnetz wird lediglich durch Polizei- und Gerichtsakten sichtbar, die ihn als &#8222;Straft\u00e4ter&#8220; wegen seiner Homosexualit\u00e4t f\u00fchren. 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