{"id":3652,"date":"2017-09-28T09:56:00","date_gmt":"2017-09-28T07:56:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lsvd-lsa.de\/?p=3652"},"modified":"2025-02-11T20:42:51","modified_gmt":"2025-02-11T19:42:51","slug":"stolperstein-wilhelm-karl-august-kru%cc%88ger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lsvd-lsa.de\/en\/stolperstein-wilhelm-karl-august-kru%cc%88ger\/","title":{"rendered":"Stolperstein: Wilhelm Karl August Kru\u0308ger"},"content":{"rendered":"<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Geboren: 30. April 1894, Stegers in Westpreu\u00dfen (heute Polen)<br>Stand: verheiratet mit Martha, geborener Hild, ein Kind<\/li>\n\n\n\n<li>Religion: evangelisch<\/li>\n\n\n\n<li>Beruf: Kaufmann<\/li>\n\n\n\n<li>Tod: 20. November 1942, KZ Dachau<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Verlegung am 28.09.2017<\/li>\n\n\n\n<li>Gespendet: Gewerkschaft ver.di Sachsen-Anhalt Nord<\/li>\n\n\n\n<li>Verlegeort: Bernburger Stra\u00dfe 6 (neben Eingang Nr. 7, Spielplatz)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Was wissen wir von ihm?<\/h4>\n\n\n\n<p>Wilhelm Kr\u00fcger, Ehemann und Familienvater, wird sich irgendwann seiner homosexuellen Neigungen bewusst. Im\u00a0Februar 1939, im Alter von\u00a044 Jahren, wird er in Magdeburg verhaftet. Am\u00a015. M\u00e4rz 1939\u00a0\u00fcberstellt die Polizei Magdeburg ihn wegen eines Versto\u00dfes gegen den\u00a0\u00a7175 StGB\u00a0zun\u00e4chst in Untersuchungshaft im Gef\u00e4ngnis Magdeburg.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Personenbeschreibung und erste Verurteilung<\/h5>\n\n\n\n<p>Im Gef\u00e4ngnis wird er wie folgt beschrieben:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Gr\u00f6\u00dfe<\/strong>: 1,70 m<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gestalt<\/strong>: schlank<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gesicht<\/strong>: hager<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Augen<\/strong>: graublau<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Haare<\/strong>: graublond<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Stirn<\/strong>: hoch<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Besondere Kennzeichen<\/strong>: keine<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Kr\u00fcger hat keine Vorstrafen. Dennoch f\u00e4llt das Urteil des Landgerichts Magdeburg \u00e4u\u00dferst hart aus:\u00a0drei Jahre Zuchthaus, vermutlich nach dem versch\u00e4rften\u00a0\u00a7175a StGB, der \u201eerschwerte F\u00e4lle\u201c unterstellte.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Haft im Zuchthaus Coswig und \u00dcberstellung ins KZ-System<\/h5>\n\n\n\n<p>Am\u00a021. Dezember 1939\u00a0wird Wilhelm Kr\u00fcger in das Zuchthaus\u00a0Coswig\u00a0in Anhalt gebracht. Etwa im\u00a0Februar 1942\u00a0ist seine Strafe vermutlich verb\u00fc\u00dft, sofern die Zeit in Untersuchungshaft angerechnet wurde. Doch Freiheit erh\u00e4lt er nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Am\u00a016. April 1942\u00a0wird der mittlerweile\u00a047-J\u00e4hrige\u00a0von der Kriminalpolizei in das\u00a0KZ Buchenwald\u00a0deportiert. Dort wird er als Homosexueller registriert und erh\u00e4lt die H\u00e4ftlingsnummer\u00a01.646. Sein Unterbringungsort ist Block 36, in dem viele homosexuelle H\u00e4ftlinge untergebracht sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur drei Monate sp\u00e4ter, am\u00a06. Juli 1942, erfolgt seine Verlegung in das\u00a0KZ Dachau, wo er am folgenden Tag eintrifft. Dort wird er erneut als Homosexueller registriert und erh\u00e4lt die H\u00e4ftlingsnummer\u00a031.020.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Ein \u201eInvalidentransport\u201c und sein Tod<\/h5>\n\n\n\n<p>Im\u00a0Oktober 1942\u00a0verschlechtert sich Kr\u00fcgers Gesundheitszustand offenbar drastisch. Am\u00a012. Oktober 1942\u00a0wird er auf einen sogenannten \u201eInvalidentransport\u201c gesetzt. Ziel dieser Transporte war h\u00e4ufig das Schloss Hartheim, ein Zentrum der\u00a0NS-Euthanasie, wo nicht mehr arbeitsf\u00e4hige und kranke H\u00e4ftlinge vergast wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Umst\u00e4nde seines Todes sind unklar. Offiziell stirbt Wilhelm Kr\u00fcger am\u00a020. November 1942\u00a0im\u00a0KZ Dachauangeblich an \u201eVerdauungsproblemen\u201c. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Todesursache in den\u00a0Strapazen der Haft, der\u00a0chronischen Unterversorgung\u00a0und m\u00f6glicherweise der systematischen Vernichtung von H\u00e4ftlingen durch die Nazis liegt. Er starb mit\u00a048 Jahren\u00a0und erlebte das KZ-System nur rund sieben Monate.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Nachwirkungen und Ausgrenzung der Angeh\u00f6rigen<\/h5>\n\n\n\n<p>Eine Akte im\u00a0ITS (International Tracing Service) in Bad Arolsen\u00a0verzeichnet Details zu Kr\u00fcgers Leben und Tod, offenbar f\u00fcr das\u00a0Landesentsch\u00e4digungsamt Schleswig-Holstein\u00a0erstellt. Es wird vermutet, dass seine Ehefrau, die wieder ihren M\u00e4dchennamen trug, beim Amt einen Unterst\u00fctzungsantrag gestellt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch eine Entsch\u00e4digung war ausgeschlossen:\u00a0Homosexuelle KZ-H\u00e4ftlinge wurden in der Bundesrepublik nicht als Opfer des NS-Regimes anerkannt. Sie und ihre Angeh\u00f6rigen wurden durch gesetzliche Regelungen von Unterst\u00fctzungsleistungen ausgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wilhelm Kr\u00fcger ist ein Beispiel f\u00fcr die systematische Diskriminierung und Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus. Sein Schicksal verdeutlicht nicht nur das Leid w\u00e4hrend der NS-Zeit, sondern auch die Nachwirkungen einer&nbsp;fortdauernden Stigmatisierung in der Nachkriegszeit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Recherche: <\/strong>Rainer Hoffschildt, Hannover (Juli 2017)<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was wissen wir von ihm? 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