Buch des Monats (Dezember): Jim Grimsley – Das Leben zwischen den Sternen

Keine_Bildcover_RechtePassend zur Weihnachtslichterzeit stellen wir euch diesen Monat ein Buch vor, in dem Weihnachten auch eine zentrale Rolle spielt:

Jim Grimsley: „Das Leben zwischen den Sternen“

„Das einzige, was mir nicht gefällt, ist die Vorstellung, dass du mir noch lieber werden könntest als sowieso schon.“

Nähe und Distanzierung, ewiges Austarieren eigener Gefühle und Erwartungen mit denen der anderen, des anderen. Dies beschreibt der Roman von Jim Grimsley, welcher von Dan und Ford handelt. Beide arbeiten in einem Krankenhaus, liefen sich dort bei einem Weihnachtssingen das erste Mal über den Weg und dabei verzauberte Dan Ford dermaßen, dass letzterer gar nicht anders konnte als sich zu überwinden, Kontakt zu Dan aufzunehmen. Der Leser erlebt mit den beiden Protagonisten zusammen drei weitere Weihnachtsfeste und damit das Wachsen der Beziehung der beiden. Diese vierte Weihnacht bildet hierbei den Rahmen der Erzählung und der Aufbruch von Dan zu seinen Eltern zum Anfang dieser Feiertage stellt den Beginn des Roman dar. Es ist das erste Weihnachtsfest, bei dem er Ford zu seinen Eltern mitbringt. Dabei wirkt die Stimmung genauso düster wie ein kalter Winterabend. Von Weihnachtszauber ist noch keine Spur. Wenn Dan und Ford miteinander reden, wirkt dies ziemlich distanziert und vorsichtig. Antworten gehen selten auf die Fragen ein, denen sie folgen und man bekommt das Gefühl, dass in den Köpfen der beiden viele Dinge umgehen, über die klar zu reden sie nicht schaffen. Oftmals muss man gut raten, was mit welcher Aussage gemeint sein könnte. Bekommt man zunächst den Eindruck, die Handlung spielt in weit vergangenen Zeiten, in denen Homosexualität ein Tabu ohnegleichen, wenn nicht sogar eine Straftat war, so korrigiert sich die Sicht erst später auf Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre. Berührungen in der Öffentlichkeit werden als Besonderheit, als Bruch eines Tabus dargestellt, die jedoch mehr Ford als solche empfindet. Wo die beiden Protagonisten oft um den heißen Brei herum reden, beschreibt der Autor Situationen jedoch recht klar und stellt damit einen Kontrast zu den Dialogen dar.

Im weiteren Geschehen lernt man sowohl Dan als auch Ford näher kennen, jeweils aus der Perspektive der Personen selbst, und erfährt so stückweise mehr und mehr Details aus der Vergangenheit. Dabei berichtet der Autor stetig aus der dritten Person und verschiebt lediglich den Blickpunkt zwischen den Teilen des Buches ein wenig zwischen Dan und Ford hin und her. Alles, was über die Feiertage passiert, wirft Erinnerungen an Vergangenes auf und so schwenkt der Roman mal in Dans Kindheit, mal auf Fords vergangene Liebschaften, mal auf eine detaillierte Beschreibung des Kennenlernens der beiden und auf viele weitere Momente ihrer Beziehung. Je weiter man liest, desto mehr erfährt man über die beiden Männer mit all ihren Ängsten, Vorbehalten, Sehnsüchten und Wünschen und umso mehr werden sie einem sympathisch. Man fiebert mit jedem Auf und Ab der Beziehung mit und ist doch am Ende froh über den Verlauf der Dinge – zumindest über die meisten. Das Ende ist hierbei zwar offen, doch offene Fragen bleiben keine mehr. Ein gelungener Abschluss also.

Wer Action und viel Handlung braucht, dem ist das Buch nicht zu empfehlen. Romantiker allerdings kommen voll auf ihre Kosten und wer sich gern in Beziehungen anderer hinein denkt, der wird dieses Buch sehr gern lesen.

… eine Beziehung ist wie eine wertvolle Vase, die du über einen weiten Weg tragen musst. Sie erfreut dich, ist sehr wertvoll, aber auch schwer und es wird Momente geben, in denen du sie einfach hinwerfen willst. Doch die Mühe, sie zu halten, lohnt sich. Der Weg ist das Ziel und all die gemeinsamen Stunden zusammen.

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