Buch des Monats (Januar): Karen-Susan Fessel – Jenny mit O

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Jenny ist 16, ohne Ausbildungsplatz, ohne feste Bindungen in Groß Klein bei Rostock, mitten in Gewalt und Perspektivlosigkeit. Nach einem weiteren Streit mit ihrem Stiefvater flieht sie nach Berlin, lebt mit Straßenkids, Strichern und Szenelesben, aber nirgendwo ist sie richtig zu Hause. Sie ist in sich selbst nicht zu Hause.

Einfühlsam und bisweilen sehr komisch beschreibt Fessel, wie aus Jenny Jonny wird, wobei mit der Erkenntnis und dem Namenswechsel die Probleme eigentlich erst beginnen. Durch die detaillierte Beschreibung des Problemgebiets, aus dem Jenny stammt, und den Schwierigkeiten des Lebens auf der Straße geht jedoch das spezielle Thema der Identitätssuche des jungen Mannes im Körper eines Mädchens am Anfang etwas unter. Als die Fragen des unmittelbaren Überlebens geklärt sind, dringt die Frage der Identität wieder immer mehr durch.

Jenny mit O ist fesselnd, tragisch und vielfach auch komisch und läd ein, die spezielle Problematik der Transsexualität auch auf andere Schwierigkeiten der Identitätssuche Jugendlicher zu übertragen. Manchmal steht Jonny vor so vielen verschiedenen Problemen, dass der Leser leicht überfordert wird und die trans- und homosexuelle Problematik aus den Augen verliert, doch Fessel gelingt es, den Bogen immer wieder mit harmonischen Sequenzen und ironischen Beobachtungen zurückzuschlagen in die Berliner Szene und die Seele ihrer Hauptperson: Je/onny. Das Buch eignet sich m.E. sehr gut, um es mit Schüler/innen zu lesen und zu besprechen.

Mia Maulwurf

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