Buch des Monats (Mai): Jan Stressenreuter – Wie Jakob die Zeit verlor

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“Januar 1986. Spanien und Portugal treten der Europäischen Gemeinschaft bei, deren Mitgliederzahl sich damit auf zwölf erhöht. Frankreichs Staatspräsident Francois Mitterand und die britische Premierministerin Margaret Thatcher geben im nordfranzösischen Lille den Bau eines Eisenbahntunnels unter dem Ärmelkanal bekannt. […] Die US-amerikanische Raumfähre ‚Challenger’ explodiert 73 Sekunden nach dem Start in Cape Canaveral”. – Immer wieder ziehen sich solche geschichtlichen Rückblicke aus der zweiten Hälfte der achtziger Jahre durch den Roman von Jan Stressenreuter, die jedoch zuletzt immer auf einen Umstand hinweisen: Der AIDS-Virus breitet sich nahezu ungehindert aus und noch gibt es keine effektiven Medikamente, um ihm Einhalt zu gebieten. Diese Erfahrung durchlebt Jakob nahezu am eigenen Leibe, dessen Freund Marius mehr und mehr an Kraft verliert. Auch Jakob selbst ist HIV-positiv, doch aus irgend einem Grund ist das Virus bei ihm nicht so aggressiv. Über das Buch verteilt erleben wir in mehreren Passagen hautnah die komplette Geschichte ihrer Beziehung und den Leidensweg der beiden Liebenden mit. Doch letztendlich spielt das Buch und die Haupthandlung in der heutigen Zeit. Jakob arbeitet in einer Gärtnerei und hat durch diesen Job seinen Freund Arne per Zufall kennen gelernt. Doch die Beziehung läuft nicht gut. Jakob hängt immer noch Marius hinterher und kann sich nicht mit vollem Herzen auf Arne einlassen, was diesen auch belastet.

Jakob driftet umher und macht dabei in einem Pornokino die Begegnung mit einem Stricher, dem er einen unmotivierten und erfolglosen Abwehrversuch widmet. Zwar trennen sich ihre Wege nach kurzem wieder, doch das Schicksal treibt noch weitere Spiele mit ihnen. Unterdessen spitzt sich Jakobs und Arnes Krise weiter zu und Arne hält es letztendlich nicht mehr aus, dass Jakob noch immer in der Vergangenheit hängt. Er ergreift die Flucht und Jakob ist plötzlich allein.

Im weiteren Verlauf der Geschichte geschehen einige zufällige Begegnungen, verrückt-spontane Aktionen und an Dramatik fehlt es letztendlich auch nicht. Wie es allerdings dazu kommt, dass Jakob Arne und Philipp, dem besagten Stricher, gegenüber steht und eben nicht eine Entscheidung für den einen oder den anderen, sondern für beide zusammen zu treffen hat, dürft ihr gern selbst nachlesen.

Das Buch führt sehr plastisch und erlebbar sowohl die Zeit des Ausbruchs der AIDS-Epidemie vor Augen, erzählt aber auch einfühlsam und mit gewitzter Sprache die Geschichte einer Beziehung in der heutigen Zeit. Es gibt Gelegenheiten zum Lachen, Weinen, Mitfühlen und Freuen.

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