Lesben heute und damals

In Geschichtsbüchern wird häufig vom „Rosa Winkel“ erzählt, wenn über die Verfolgung Homosexueller in der NS-Zeit berichtet wird. Doch meist – fast eigentlich immer – wird der „Rosa Winkel“ mit schwulen oder bisexuellen Männern in Verbindung gebracht.Bedeutet das, dass lesbische oder bisexuelle Frauen zur NS-Zeit nicht verfolgt, gar verhaftet wurden?

Das ist ein Thema, mit dem sich seit Monaten schon die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten auseinandersetzt. Erst im Oktober wurde ein rein lesbisches Mahnmal im KZ Ravensbrück abgelehnt – mit der Begründung, es hätte im Nationalsozialismus keine Verfolgung lesbischer oder bisexueller Frauen gegeben. Gestützt wird diese Begründung mit der Aussage, es gäbe keinerlei historischer Beweise für eine Verfolgung, Verhaftung und Bestrafung von lesbischen und bisexuellen Frauen.

Das Problem an der ganzen Sache? Das wissenschaftliche Erforschen einer möglichen Verfolgung wird einfach nicht finanziert. Weil „kein Interesse“ daran bestünde, weil bei inhaftierten Frauen im KZ ein lesbischer oder bisexueller Hintergrund unsichtbar blieb, weil es kaum offizielle Dokumente zur Existenz von lesbischen und bisexuellen Frauen in KZs gab.

Unsichtbar, teils verschwiegen und in manchen Ländern der Welt immer noch tabuisiert ist das lesbische und bisexuelle Leben von Frauen heutzutage immer noch. In Malaysia beispielsweise wurden zwei Frauen ausgepeitscht, weil sie einvernehmlich miteinander schlafen wollten. Lesbische Frauen werden auf offener Straße attackiert, beleidigt. Stereotype wie die „maskuline Lesbe, die lieber ein Mann wäre“ existieren auch heute noch. Feminine Lesben und bisexuelle Frauen werden als hetero gelesen und ernten erstaunte Blicke bis hin zum typischen „Du hast nur noch nicht den Richtigen gefunden“ – was nicht selten in sexueller Belästigung endet.

Und lesbische und bisexuelle Frauen, die sich politisch engagieren und sich für die Erinnerungen an ihre verfolgten Schwestern stark machen, werden von Mitstreitern aus der LGBTI Community als „Krawalllesben“ betitelt.

Wer also der Meinung ist, mit der Eheöffnung sei es für LGBTI Rechte getan, hat sich deutlich geschnitten. Wenn ein Teil der LGBTI Community immer noch mundtot gemacht wird, in die Unsichtbarkeit getrieben wird, sodass Aktivistinnen zum „Lesben raus!“ aufrufen, dann wird deutlich, dass sich für viele lesbische und bisexuelle Frauen absolut gar nichts geändert hat. In Zukunft sollten wir also alle anpacken, damit jede LGBTI Person dieselben Rechte zusteht, damit jede LGBTI Person .

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